Durch ein einsames Tal mit einigen verschlafenen kroatischen Dörfer erreichen wir über einen 800 m hohen Übergang bei Prezid die slovenische Grenze. Der Unterschied zu Kroatien ist frapant. Die Bauern heuen, weiden ihre Kühe und fahren grosse Traktoren. Die Strassen befinden sich in einem sehr guten Zustand, Häuser und Gärten sind gepflegt. Man besitzt ein Einfamilienhaus mit grossem Gemüsegarten. Wir finden am Rand eines grossen Naturschutzgebietes ein Picknickplatz, wo wir auch übernachten. Das Wasser filtern wir aus dem Bach.

Beim Überlandfahren fallen uns viele einsame Kirchen auf einem Hügel auf. Unser nächstes Ziel ist Liubljana oder auf deutsch Leibach. Hier bleiben wir drei Nächte. Wir sind begeistert vom Mix zwischen Tradition und Moderne, der dieser Stadt ein besonderer Charme verleiht. Hier wird gelebt, obwohl auch viele Touristen da sind. Es besteht ein gut ausgebautes Velowegnetz. Die Autofahrer nehmen extrem Rücksicht auf die Velofahrer. Es ist naheliegend, dass wir eine Architekturführung über den slovenischen Architekten Joze Plecnik buchen. Es hat sich gelohnt wir erfahren sehr viel über die Entwicklung von Liubljana. Insbesondere hat Plecnik den Fluss mit einer Schleuse und befestigten Ufern beruhigt, so dass der Wasserstand über das ganze Jahr ungefähr gleich bleibt. Interessant ist dass die „Liubljanica“, so heisst der Fluss, nie über 12 – 13 ° warm wird. Dies weil die Liubljanica mehrmals ein Stück unterirdisch fliesst. Daher badet auch bei 35° niemand darin.

Weil die Temperaturen ab Mittag jeweils über 30° steigen starten wir am Morgen vor 6.00. Das hat den Vorteil, dass beim Morgenlicht schöne Landschaftsfotos entstehen. Der Triglav Nationalpark in den Julischen Alpen, wo der höchste Berg von Slovenien (Triglav 2864 m.ü.M) steht, ist unser nächstes Etapenziel. Der Anblick der Berge stimmt uns wehmütig, haben wir doch keine Berg- und Kletterausrüstung dabei. Jä nu, wir wandern auf den „Frauenkogel“ oder slovenisch Dovska Baba 1892 m.ü.M, ein Grenzgipfel. Hier erleben wir bei Wolken ein spannendes Schauspiel, mal zeigt sich das Triglavgebirge, mal die Gegend von Villach in Kärnten, Oesterreich.

Auf slovenischen Bauernhöfen stehen noch viele Holzkonstruktionen, die der Heutrocknung dienten, herum. Die sind viel massiver als die Heinzen in der Schweiz, die wir in unserer Kindheit zum Grastrocknen brauchten. Es stehen nicht einzelne Bienenkästen sondern ganze fahrbare Bienenhäuser auf Feldern.

Um die Strecke nach Kärnten zu verkürzen, nehmen wir nach Kranjska Gora den Wurzerpass in Angriff, statt den Umweg über Italien zu nehmen. Wir staunen nicht schlecht, der Aufstieg ist nur 300 hm aber teilweise mit 17%. Was nach Pass und Zoll auf der Oesterreicher Seite folgt ist dann eher unheimlich mit unseren Packvelos. Die 600 hm Abfahrt beträgt 18% auf schlechter hundermal geflickter Strasse. Die Bremsen beginnen zu rauchen. Wir kühlen diese zwischendurch mit unserem kostbaren Trinkwasser. Danach fahren wir durch die lieblichen Dörfer in Kärnten. Alle noch so kleinen Dörfer und Weiler haben flächendeckend Tempo – 30 markiert. Geht doch!

Wir freuen uns auf den Faakersee zum Abkühlen und Campen. Dieser See ist in Privatbesitz. Trotzdem kann man rundum in vielen Strandbädern gratis baden. Der Campingplatz war dann riesig, aber gut eingerichtet. Unsere Route führt weiter dem Wörthersee entlang über Klagefurt an die Drau. Bereits um 7.30 nehmen wir im Wörthersee ein Bad.

Der Drau folgen wir in zwei weiteren Tagen bis nach Maribor. Auf der slovenischen Seite finden wir unterwegs kein Campingplatz, dafür dürfen wir im öffenliche Park unser Zelt aufstellen. So kommen wir auch mit der lokalen Bevölkerung ins Gespräch und werden beinahe in einen Kindergeburtstag einbezogen.

Maribor feiert diese Woche das Festival Lent mit viel Musik, Kulinarischem und weiteren Ständen. Es ist richtig gemütlich, wir geniessen die Musik. Lent hiessen früher die Anlegestellen der Flosse, heute heist ein Stadtteil noch so und hat dem gleichnamigen jährlichen Festival zum Namen verholfen. Nördlich der Altstadt steigt das Gelände an. Bepflanzt mit Reben. Eine Besonderheit ist: In der Altstadt befindet sich an einem historischen Bau die älteste Rebe, offenbar 400 Jahre alt. Sie wird gehegt und gepflegt. Südlich von Maribor ebenfalls gleich vor der Stadt befindet sich ein Skigebiet.

Link zum GPS Track

3 Kommentare zu „Slovenien und Kärnten 18. – 28.6.2019

  1. Hallo ihr Lieben, ihr kommt ja gut voran. Bestaune immer eure Bilder und bekomme richtig Lust zum endlich mal selber wieder „Abhauen“. Weiterhin viel Freude, mit einem lieben Gruss aus dem Tessin bei fast 40°
    PS: Vielen lieben Dank für eure Karte. Sie ist letzte Woche angekommen.

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  2. Einmal mehr habe ich mich über Text und Bild gefreut.
    Wir haben mit den Heinzen Versteckis gespielt.
    Die GV ist gut gegangen. Ich habe das neue Ballenbergbuch für dich mitgenommen. Melde dich, wenn du zurück bist, dann können wir einmal etwas abmachen.
    Gute Weiterfahrt
    Ursula

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  3. Liebe Kathrin

    Dein Bericht über Slovenien bis Kärnten macht mich auch an. Es ist sicher mega schön. Wie lange seid ihr eigentlich noch unterwegs? Mich dünkt ihr seid schon ewigs unterwegs, was natürlich toll ist. Da könnte ich euch doch glatt weg beneiden!

    Ich war Freitag bis Sonntag am Wandern von Wassen via Salbithütte, Salbitbrücke dann Voralphütte nach Göschenen. Der Urner Höhenweg ist eindrücklich und spannend. Schneeresten überall und die Blumen mausern sich langsam in die höher gelegenen Alpen. Die Vielfalt der Blumen um die Voralphütte ist beeindruckend. So blühen Schwefelanemonen, Männertreu, Enzianen, Alpenrosen, Ankeballe, Fingerkraut, Arnika und wie sie alle heissen.

    Letzten Donnerstag war in Brugg der Kinderumzug genannt „Rutenzug“. Alle Mädchen sind weiss gekleidet mit Kränzchen im Haar, die Buben tragen weisse Hemden und schwarze Hosen. Die grösseren Buben tragen eine Rute mit und die Mädchen eine Sträusschen. Der Aufwand der von Mo bis Mi geleistet wird ist gigantisch. Die ganze Stadt in dann in Aktion, die Strassen werden mit Papierblumen geschmückt, es sieht total schön aus. Der „Rutenzug“ stammt aus dem reformierten Berner Aargau, hat also eine längere Tradition.

    Jetzt habe ich Ferien, ganze fünf Wochen…….

    Ich wünsche dir und Markus weiterhin spannende Momente und Erfahrungen.

    Liebe Grüsse

    Hedwig

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